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Die Silberne Halbkugel

Andreas Müller
DNK_Andreas-Mueller

Andreas Müller © privat

Würdigung

Wer das unlängst eröffnete Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Generalzolldirektion in Erfurt anschaut, könnte auf den ersten Blick wenig Besonderes erkennen: Ist dies nicht einer dieser schlichten modernen Bauten, wie sie für die DDR nach dem Abschied vom stalinistischen Historismus typisch waren?
Gerade das gehört zum Besonderen: Auch nach seiner umfassenden Sanierung und Modernisierung hat die vierflügelige Anlage nicht, wie so viele Bauten aus der Zeit der DDR, ihr Aussehen komplett verändert, sondern schaut größtenteils noch immer so aus, wie sie 1969–72 als Bezirksparteischule der SED errichtet wurde. Und auch im Inneren zeugen wesentliche Bereiche nach wie vor von dem Bestreben des Architektenkollektivs um Heinz Gebauer, Walter Schönfelder, Erich Neumann und Gottfried Mempel, den beschränkten Möglichkeiten der DDR-Wirtschaft zum Trotz eine Gestaltung zu schaffen, die qualitätvoll war und dem damaligen internationalen Geschmack entsprach. Besonderes Augenmerk bei der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes lag auf dem Erhalt des „Vilnius-Zimmer“ genannten Klubraums, des Audimax (samt seines originalen Gestühls), des Foyers mit dem „Sozialistische Gesellschaft“ betitelten Wandgemälde von Siegfried Terber und Werner Wagner sowie auf den zahlreichen historischen Details wie den Treppengeländern, Bodenbelägen, Deckenplatten oder den Türen der Unterkunftszimmer.
Dass dieses Zeugnis der Bau- und Zeitgeschichte bewahrt und denkmalgerecht instandgesetzt werden konnte, ist allen voran dem Eigentümer und Bauherrn
Andreas Müller zu verdanken, der die alte Parteischule 2012 erworben hat. Mit der Generalzolldirektion fand er einen neuen Dauernutzer, dessen Raumanforderungen mit dem Bestand fast identisch waren und der sich aufgeschlossen zeigte für den Wunsch, das DDR-Ambiente zu erhalten. In Absprache mit der Denkmalschutzbehörde wurde der rückwärtige Seminarflügel von den Projektarchitekten
Behzadi + Partner behutsam erweitert und aufgestockt, um zusätzliche Unterkünfte für die Auszubildenden zu schaffen. Die Längsseiten des Internatshochhauses erhielten eine äußere Dämmung, die bis ins Detail das ursprüngliche Fassadenrelief nachbildet. Für die Gesamtsanierung investierte Andreas Müller mehr als sechzig Millionen Euro. Bund und Land bewilligten Fördermittel in Höhe von insgesamt rund zweihundertneunzigtausend Euro. Trotz dieser nur relativ geringen staatlichen Unterstützung und des auch daraus folgenden hohen finanziellen Risikos zeigte er beim Umbau zu einer Bildungsstätte für die Generaldirektion großes persönliches Engagement und Rücksichtnahme auf denkmalkonstituierende Bauteile und Ausstattungsgegenstände. Altes wurde aufgearbeitet oder auch unter hohem Aufwand handwerklich detailgetreu nachgestaltet. Im Außenbereich, der einst von Hannelore Henze entworfen worden war, wurden die Anlagen mit dem Park sowie der kaskadenartigen Wasserbeckenfolge und der repräsentativen Treppe ebenfalls aufwendig saniert. So blieb die Authentizität dieses hochrangigen Architekturdenkmals in seiner Gesamtheit erhalten.
Andreas Müllers Wirken ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die Tätigkeit eines Investors keineswegs – wie es leider so häufig geschieht, und in der Regel unter Hinweis auf die finanziellen Belastungen – zur Entstellung oder gar Entsorgung eines Baudenkmals führen muss. Für seine Tätigkeit erhält er den Deutschen Preis für Denkmalschutz auch in der Hoffnung, dass sein Vorbild viele Nachahmer finden möge.

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Selbstdarstellung

Mit großem Respekt vor der Geschichte und einer klaren Vision für die Zukunft wurde ein einzigartiges Denkmalprojekt realisiert: Unter der Leitung von Eigentümer und Bauherr Andreas Müller, in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Behzadi + Partner, wurde die ehemalige SED-Bezirksparteischule, ein bedeutendes Relikt der DDR-Bildungsarchitektur, umfassend saniert, behutsam umgebaut und durch moderne Elemente erweitert.
Für diese außergewöhnliche Leistung erhielt Herr Müller bereits den Thüringer Denkmalschutzpreis 2024. Bereits im Jahr 2011 erwarb Andreas Müller das denkmalgeschützte Areal vom Freistaat Thüringen – er setzte sich gegen eine Vielzahl von Interessenten durch. Ausschlaggebend war seine eindeutige Haltung: Erhalt, statt Abriss, so lange und so originalgetreu wie möglich.
Ein entscheidender Wendepunkt kam im November 2020, als die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) an Herrn Müller herantrat. Die Generalzolldirektion plante, auf dem Gelände eines seiner bundesweiten Bildungs- und Wissenschaftszentren zur Ausbildung im mittleren Zolldienst zu etablieren. Damit wurde das Gelände zu einem der modernsten Schlüsselstandorte für die Nachwuchsausbildung einer zentralen Bundesbehörde.
Die Umsetzung des Projekts war anspruchsvoll: Fast 100 Millionen Euro wurden investiert, um die baulichen und denkmalpflegerischen Anforderungen in Einklang zu bringen. In enger Abstimmung mit Dr. Mark Escherich, dem Abteilungsleiter für Denkmalpflege und Denkmalschutz der Stadt Erfurt, der acht Jahre lang für den Denkmalstatus kämpfte, sowie dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege wurde ein Sanierungskonzept entwickelt, das historische Substanz bewahrt und zugleich moderne Nutzung ermöglicht. Dabei entstand ein Ensemble, welches architektonisch wie funktional Maßstäbe setzt. Besonders hervorzuheben sind dabei einige denkmalgeschützte Highlights: das beeindruckende Audimax mit originaler Wandgestaltung
und Inneneinrichtung, das stilprägende Vilnius-Zimmer, ein Relikt der internationalen DDR-Partnerschaften, sowie viele weitere Räume und Details, die mit großem Respekt restauriert und wieder nutzbar gemacht wurden.
Heute zeigt sich das Gelände als gelungenes Beispiel für eine zukunftsfähige Transformation historischer Bausubstanz. Die Verbindung aus DDR-Zeitzeugnis, moderner Bildungsarchitektur und verantwortungsvoller Projektentwicklung ist deutschlandweit beispielgebend.
Das persönliche Engagement von Andreas Müller, seine Weitsicht, Beharrlichkeit und sein Gespür für die kulturelle Bedeutung des Ortes haben es ermöglicht, ein gefährdetes Denkmal nicht nur zu bewahren, sondern neu zu beleben.