Medienpreis
Redaktionsteam ARD Room Tour von links: Stefanie Zohm, Rieke Spang, Tina Bonin, Katharina Feißt und Carolin Baumgart © SWR
Würdigung
Anderen Leuten, fremden zumal, in die Wohnung zu gucken – dieses Vergnügen bedient die „ARD Room Tour“ auf ganz legitime Weise. Denn die Menschen öffnen nicht nur freiwillig ihre Haustür, sondern in der Regel auch mit einigem Stolz auf ihre außergewöhnliche Wohnsituation. Letzterer ist umso berechtigter, als sie zu deren Entstehung einiges beigetragen haben, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch mit Kreativität und nicht selten handfester Arbeit.
Rund zweihundert Folgen sind seit 2021 von der „ARD Room Tour“ veröffentlicht worden, in der ARD-Mediathek und auf YouTube. Kurzversionen wurden und werden im SWR-Fernsehen gezeigt sowie auf Facebook und weiteren Social-Media-Kanälen der ARD gepostet. Der YouTube-Kanal zählt momentan rund dreihunderttausend Abonnentinnen und Abonnenten. Jeden Montag um 18 Uhr wird eine neue Folge ins Netz gestellt, jede davon zwölf bis fünfzehn Minuten lang.
Natürlich geht es dabei nicht immer ums Wohnen in einem Baudenkmal. Die preiswürdige Qualität der Reihe besteht jedoch gerade darin, das Wohnen in einem Haus mit Geschichte ganz selbstverständlich als eine sehr attraktive Möglichkeit neben anderen zu präsentieren und die Mitwirkung der behördlichen Denkmalpflege bei Sanierung und/oder Umbau als hilfreich und positiv darzustellen.
So war die wichtigste Vorgabe bei der Umnutzung eines neobarocken Ballsaals, welcher dem Verfall preisgegeben war, nichts an die Außenwände zu bauen – umso besser kontrastieren diese nun mit einem minimalistisch designten Wohnkubus, der in dem Saal errichtet wurde. Ein älteres Ehepaar hat ein barockes Ackerbürgerhaus, das vor dem Abbruch stand, in mehr als anderthalb Jahrzehnten saniert und sich dabei auch historischer Materialien bedient, darunter zwanzig Türen, die aus Sperrmüllcontainern oder Abrisshäusern gerettet wurden. Erst nach der Sanierung wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt. Ein jüngeres Paar stemmte die Sanierung einer historischen Villa ebenfalls mit viel körperlicher Eigenleistung und schuf sich so einen vierhundert Quadratmeter großen Wohntraum für seine Patchworkfamilie.
Mit schnellen Schnitten, bewegter Kamera, gelegentlichem Einsatz von Zeitraffer und der Präsentation der Häuser ausschließlich durch ihre Nutzerinnen und Nutzer, die direkt in die Kamera sprechen und dabei eher knapp von den Herausforderungen und glücklichen Lösungen beim Umbau berichten, bedient das Format die vorherrschenden Sehgewohnheiten insbesondere jüngerer Menschen bis Mitte vierzig. Mithin einer Zielgruppe, für die das Thema Bauen und Wohnen eine aktuelle Bedeutung in ihrer Lebensplanung besitzt. Damit wie mit seiner gesamten, sehr lebendigen Machart ist es geeignet, auch nachwachsende Generationen für das Wohnen im Denkmal zu interessieren und darüber hinaus für die gesamte Thematik des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege. Dabei darf auch nicht unterschätzt werden, wie über die Kommentarmöglichkeit bei YouTube Nutzerinnen und Nutzer miteinander in Kontakt kommen, Fragen stellen und Lösungen diskutieren.
Das Redaktionsteam, bestehend aus Carolin Baumgart, Rieke Spang, Tina Bonin, Katharina Feißt und Stefanie Zohm wird daher für die sehr gelungene, vorbildliche Form einer neuartigen Vermittlung der genannten Themen ausgezeichnet.
Selbstdarstellung
2021 hat ein kleines Team um Rieke Spang das Format „SWR Room Tour“ und den zugehörigen YouTube-Kanal kreiert. Was mit einer simplen Idee begann, nämlich Menschen mit der Kamera zu begleiten, wie sie ihr Haus zeigen, ist mittlerweile eine Inspirationsquelle für eine stetig wachsende Fan-Gemeinde geworden. Die Videos erzählen große und kleine Geschichten über das besondere Zuhause von ganz normalen Menschen, über die Herausforderungen einer Sanierung, das liebevolle Herrichten und die individuelle Gestaltung der eigenen vier Wände.
Jeden Montag eine neue Folge, ist ein Versprechen, ein Anspruch und jede Menge Arbeit für das kleine Redaktionsteam, die sich in jeder Hinsicht lohnt. Mit 2,75 Mio. monatlichen Aufrufen auf YouTube, mehr als 120 Mio. Abrufen insgesamt auf YouTube ist das digitale Format „ARD Room Tour“ inzwischen zu einer bekannten Marke geworden. Mittlerweile sind mehr als 200 Folgen auf YouTube und in der ARD-Mediathek veröffentlicht und werden auch im Fernsehen deutschlandweit ausgestrahlt.
Seit 2024 ist die Room-Tour-Familie gewachsen: Inzwischen produzieren auch MDR, NDR, SR, WDR und HR unter der Federführung des SWR eigene Folgen aus ihrer Region für das gemeinsame ARD-Format. Das ist ein großer Gewinn an Vielfalt, da auch regionale Besonderheiten im Wohnen und in der Architektur erlebbar werden.
Vielfach zeigen wir auch denkmalgeschützte Gebäude, denen mit viel Herzblut und Leidenschaft neues Leben eingehaucht wird. Dabei kann man miterleben, was es heißt, in einem Haus mit Geschichte wohnen zu dürfen und dafür verantwortlich zu sein.
Entdecken Sie alle Beiträge unter youtube.com/@ARDRoomTour oder in der ARD Mediathek:
www.ardmediathek.de/roomtour