Medienpreis
Katharina Röben, Dag Freyer und Ralf Pleger
© Polina Ivanova, 3B-Produktion, Joseph Wolfgang Ohlert
Würdigung
Die Dokumentarreihe „Schrecklich schöne Bausünden“ von Dag Freyer, Ralf Pleger und Katharina Röben greift in vier äußerst ansprechend gestalteten sowie inhaltlich profunden Beiträgen à 24 Minuten eine der zentralen Fragen der Denkmalpflege auf: Was ist schön und wann empfinden wir etwas als schön und bewahrenswert? Mit ihrer innovativen Herangehensweise leistet die Reihe einen wichtigen und zugleich unterhaltsamen Beitrag dazu, unsere Sichtweise auf umstrittene Bauwerke zu verändern und ihnen eine neue Wertschätzung zu schenken.
Die Reihe widmet sich in den Teilen „Brutalistische Betonklötze“, „Größenwahn“, „Plattenbau-Paradiese“ und „Konsum-Labyrinthe“ Gebäuden in Deutschland und Europa, die heute vielfach als „hässlich“ abgestempelt werden und erzählt mithilfe von feinfühlig geschnittenem Film- und Bildmaterial, darunter auch historische Aufnahmen, sowie Interviews liebevoll und pointiert die Geschichten, die hinter diesen kontroversen Bauwerken stehen. Dabei vermitteln neben Architekturschaffenden, einem Architekturpsychologen sowie Architekturhistorikerinnen und -historikern auch Ortsansässige und die Nutzenden der Gebäude ihre persönlichen Sichtweisen und ihre Verbundenheit.
Die Spannweite der porträtierten Bauten reicht vom brutalistischen Kloster „La Tourette“ in Frankreich, 1960 von Le Corbusier entworfen, über den „Koloss von Prora“ aus den 1930er-Jahren, dem längsten Gebäude der Welt, bis hin zur gigantischen Wohnhausanlage „Große Schlange“, errichtet 1956 bis 1968 in Genua. Auch die Plattenbausiedlungen in den Pariser Banlieues der 1960er-Jahre und das Berliner Shoppingcenter „Alexa“ von 2007 werden mit historischer Tiefe und unterhaltsamer Erzählweise vorgestellt.
Dag Freyer, Ralf Pleger und Katharina Röben beleuchten in der Dokumentarreihe die Hintergründe von Bauwerken, die für Kontroversen sorgen. Sie erforschen, wie sich unsere ästhetischen Vorstellungen im Laufe der Zeit wandeln und verdeutlichen, dass viele dieser Gebäude eine tiefere geschichtliche, kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung besitzen, die über ihre oftmals provokante Optik hinausgeht. Dafür werden sie mit dem Medienpreis des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2025 ausgezeichnet.
Biografien
Dag Freyer
Dag Freyer studierte Literaturwissenschaften, bevor ihn ein Praktikum bei einer Dokumentarfilmproduktionsfirma überraschend auf einen neuen Weg führte: Mit diesem Studium ließ sich tatsächlich etwas anfangen. Shakespeare, Kleist und Sartre wurden in Fernsehdokumentationen einfach lebendiger als in Seminararbeiten. Ein sinnliches Medium war gefunden für Fragen über Fragen: Was haben die Erfahrungen afroamerikanischer GIs im Nachkriegsdeutschland mit der US-Bürgerrechtsbewegung zu tun, was der Kampf gegen Umweltverschmutzung in der DDR mit dem Mauerfall? Welche Aussage macht die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses im heutigen Stadtbild? Mehrere Filme über die Berliner Museumslandschaft brachten zu Bewusstsein, dass Alexander von Humboldt uns Dokumentarfilmern den perfekten Leitspruch mit auf den Weg gegeben hat: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die derer, die die Welt nie angeschaut haben.“
Ralf Pleger
Ralf Pleger hat sich als Regisseur innovativer Musikfilme und Kulturdokumentationen international einen Namen gemacht. Die musikalische Machart seiner Filme, die fantasievollen Bilderwelten, der Einsatz genreübergreifender Stilmittel sowie die Verbindung von Musikthemen und unorthodoxen Erzählweisen sind Markenzeichen, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde.
Sein Film „Wagnerwahn“ wurde für den internationalen EMMY nominiert. Für „Die Akte Tschaikowsky“ erhielt er einen ECHO Klassik. Mit Opern-Superstar Joyce DiDonato in der Titelpartie kreierte er den Kinofilm „The Florence Foster Jenkins Story“, der beim Festival Golden Prague mit dem JURY PRIZE
FOR ORIGINALITY ausgezeichnet wurde.
Ralf Pleger ist auch als Regisseur für Opern und Bühnenshows tätig. 2016 inszenierte er „In War & Peace – Harmony Through Music“, eine Konzertshow mit Joyce DiDonato, die weltweit aufgeführt wurde, unter anderem an der New Yorker Carnegie Hall, am Nationaltheater Peking und an der Elbphilharmonie Hamburg. 2019/20 inszenierte er Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“ am Théâtre
de la Monnaie in Brüssel sowie am Teatro Comunale di Bologna. 2022 feierte seine Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Mitridate“ an den Opernhäusern von Kopenhagen und Malmö Premiere. Gegenwärtig arbeitet Ralf Pleger zusammen mit der ägyptischen Opernsängerin Fatma Said an einer internationalen Musikfilmproduktion, die 2026 herauskommen wird.
Katharina Röben
Katharina Röben ist Journalistin, Moderatorin und Filmemacherin. Von politischer Berichterstattung für die ARD bis zu Einblicken in die Technokultur für ARTE – ihre Arbeit spannt einen weiten Bogen zwischen Tagesaktualität und erzählerischen Langformaten.
Sie studierte in Berlin und Dublin Theaterwissenschaft, Publizistik-, Kommunikations- und Medienwissenschaft. Bereits während ihres Studiums schrieb sie unter anderem für das Feuilleton der WELT und für nachtkritik.de.
Nach ihrem Master brachte sie ein trimediales Volontariat zum SWR. Seitdem war sie für diverse Formate des SWR-Fernsehens tätig, u. a. für SWR Aktuell Baden-Württemberg und SWR Landesschau Baden-Württemberg. Dabei brachte sie auch immer wieder neue Formate für eine jüngere Zielgruppe voran. So setzte sie als Host beim SWR-Format Ökochecker, für Youtube, Instagram und TV, einen Schwerpunkt auf Klima- und Umweltthemen. Beim Online-Debattenformat MixTalk auf dem Twitch-Kanal der ARD prägt sie als Moderatorin und Redakteurin das Format – ein innovatives Experiment für mehr Dialog. Außerdem ist sie als Reporterin und Planerin für den rbb tätig, zuletzt für das ARD-Mittagsmagazin und rbb Kultur – Das Magazin.
