Vermittlungspreis
Würdigung
Das Projekt „Junge Archäologen Prignitz“ liefert den lebendigen Beweis dafür, dass Denkmalpflege und Archäologie keine staubigen Wissenschaftsdisziplinen sind, sondern vielmehr ein echtes Abenteuer und ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis bieten können. Das alles vereint das Sommercamp „Junge Archäologen Prignitz“, einem Gemeinschaftsprojekt, getragen vom Förderkreis Prignitzer Museen e. V., dem Stadt- und Regionalmuseum der Rolandstadt Perleberg und dem Landkreis Prignitz – also einer klugen Allianz aus zivilgesellschaftlichem Engagement, musealer Fachkompetenz und kommunaler Verantwortung.
Das Camp ermöglicht Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren eine Woche voller Entdeckungen, Herausforderungen und Erlebnisse. Und was für eine Geschichte sie erleben: In Guhlsdorf gruben sie 2022 an den Überresten einer mittelalterlichen Turmhügelburg – und fanden dort nicht nur Scherben, sondern ganze Geschichten, auch zur alten Dorfstelle in Guhlsdorf. In 2023 folgte dann die Prospektion des in Brandenburg ältesten Zisterzienserinnen-Kloster Marienfließ in Stepnitz – ebenso inklusive Einblicke in die klösterlichen Lebenswelten des Mittelalters. 2024 wurde an und in der Ruine des Renaissanceschlosses in Kletzke gegraben. Die Funde der Jugendlichen in Kletzke waren tatsächlich so wichtig, dass die Grabungen dort demnächst im Rahmen von Hochschulprojekten an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg fortgesetzt werden. In diesem Jahr ist Ort des Sommercamps die Burgruine Putlitz, Stammsitz der Familie Gans Edle Herrn zu Putlitz. Das Sommercamp „Junge Archäologen Prignitz“ erklärt Jugendlichen somit real das Ansinnen der Bau- und Bodendenkmalpflege, lässt sie daran unmittelbar teilhaben und vermittelt auf diese Weise Geschichte als interdisziplinäre Erfahrung und als ein Zusammenspiel von Bau-, Kunst-, Heimat- und Landesgeschichte. Diese Wissenschaften sind keine elitären Elfenbeintürme, sondern eröffnen Jugendlichen spannende Möglichkeiten, ihre eigene Herkunft und Identität zu entdecken und zu erforschen. Und ganz nebenbei schärfen die Jugendlichen dabei ihre sozialen Kompetenzen: gemeinsam etwas umzusetzen und zu erleben – Fähigkeiten, die unsere Gesellschaft so dringend braucht. Das spielerische und lernende Miteinander, jahrgangsübergreifend angelegt, „erdet“ die Teilnehmenden dieses archäologischen Ferienlagers ganz praxisnah – insbesondere nach den isolierenden Corona-Erfahrungen und im Zeitalter digitaler Medien. Begleitet werden die Jugendlichen von ehren- und hauptamtlichen Fachleuten, von Museumsmitarbeitenden, Denkmalpflegenden, Historikerinnen und Historikern, sowie, besonders erfreulich, von jungen Archäologiestudierenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. So entsteht ein echtes Miteinander der Generationen, ein Transfer von Wissen, Erfahrung und Begeisterung. Und das zeigt Wirkung: Viele der Teilnehmenden melden sich gleich fürs nächste Jahr wieder an – ein schöneres Kompliment kann es kaum geben.
Was also bleibt zu sagen? Vielleicht dies: Wenn Geschichte lebendig wird, entsteht Zukunft. Und wenn Jugendliche in Zelten schlafen, um tagsüber mit Spaten und Begeisterung Kulturerbe zu entdecken – dann lässt uns das mit diesem Vermittlungsprojekt hoffnungsvoll auf die Zukunft blicken. Den Trägern des „Sommercamps – Junge Archäologen Prignitz“ verleiht das DNK den Vermittlungspreis des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2025.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSelbstdarstellung
Bundesweit wird um ein dauerhaft gutes Bildungsniveau gerungen. Wichtige gesellschaftliche Themen wie Heimat-, Regional- und Landesgeschichte finden oft nur am Rande der Lehrpläne Berücksichtigung. In aller Regel wird dieser Unterrichtsstoff nur teilweise oder jahrgangsbezogen angeboten. Das hat Folgen: Der jungen Generation fehlt mitunter unverschuldet das Verständnis für den Erhalt unserer identitätsstiftenden Kultur- und Denkmallandschaften. Eine Initiative aus der Prignitz hat dieses Defizit erkannt und ein kreatives Vermittlungsformat geschaffen, um diesem Problem zu entgegnen.
Im Jahre 2022 entwickelten Gordon Thalmann, Leiter des Sachbereiches Denkmalschutz im Landkreis Prignitz und Torsten Foelsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadt- und Regionalmuseums der Rolandstadt Perleberg, die Idee eines innovativen Bildungs- und Vermittlungsangebotes unter dem Titel „Junge Archäologen Prignitz“, das seit 2024 unter der Federführung des Förderkreises Prignitzer Museen e. V. im Rahmen des Konzeptes außerschulischer Lernorte mit großer Begeisterung und wachsenden Teilnehmerzahl umgesetzt wird.
Dabei werden Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 16 Jahren im Rahmen eines einwöchigen Sommerferien-Zeltlagers auf authentischen archäologischen Forschungsgrabungen in der Prignitz an die Themen Geschichte, Archäologie und Denkmalpflege behutsam und altersgerecht herangeführt. Das Vermittlungsformat verbindet insofern denkmalpflegerische Bildung und archäologische Forschung mit Ferienabenteuern. Die Teilnehmenden erleben innerhalb einer Woche ein spannendes und umfangreiches Programm, das Wissensvermittlung über praktische Grabungstätigkeit, Vorträge und Exkursionen zu archäologischen Stätten und Museen mit betreuter Freizeitgestaltung verbindet. Es geht darum, Jugendbildungsarbeit in ansprechender und zugänglicher Form im Rahmen außerschulischer Lernorte zu vermitteln. Die fachliche Betreuung erfolgt dabei durch erfahrene Archäologen und ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, die im Rahmen der Grabungswoche verschiedene Arbeitsmethoden der Archäologie (Dokumentation und Vermessung) inklusive der technischen Hilfsmittel (Detektor- und Drohneneinsatz), erläutern sowie gemeinsam mit den Projektteilnehmenden ganz praxisnah ausprobieren und umsetzen.
Die Kinder und Jugendlichen sollen dabei eigene soziale Kompetenzen stärken und Verantwortung übernehmen, indem sie durch die gemeinsamen Aktivitäten während des Zeltlagers ein kollegiales Miteinander erfahren und schätzen lernen und dabei ihre Kenntnisse und Interessen auf dem Gebiet der Archäologie und Heimatkunde vertiefen. Es geht also um die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls und die Ausprägung demokratischer Prozesse von Kinder- und Jugendgruppen unterschiedlichen Alters und Herkunft. Das Erkennen und Erforschen von historischen archäologischen Stätten, die eine vergangene Epoche, ihre Gesellschaftsform und ihre Geschichte erzählen, ist hier Teil des Konzeptes.
Die Veranstalter suchen sich für die technische Ausstattung des Sommerzeltlagers regionale Partner wie das Technische Hilfswerk (THW) oder das Deutsche Rote Kreuz (DRK-Katastrophenschutz). Ortsbezogen wird das Projekt ebenfalls durch die kommunalen Bauhöfe, die Freiwilligen Feuerwehren und mitunter auch durch die Kirchengemeinden unterstützt.
Am Ende einer jeden Grabung steht eine öffentliche Pressekonferenz, zu der neben den Medienvertretern vor allem die Familien der Jungen Archäologen, die regionalen Kooperationspartner und Unterstützer sowie die Bevölkerung eingeladen sind. Schon bei der Vorbereitung des öffentlichen Termins werden die Kinder und Jugendlichen hinsichtlich der Auswahl der Funde und ihrer Präsentation umfassend einbezogen und so auf die Praxis von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eingestimmt. Bereits während des Ferienlagers lernen sie, Gespräche mit Journalistinnen und Journalisten, mit Vertretenden von Rundfunk und Fernsehen oder mit Abgesandten der Pressestellen von Ämtern zu führen. Diese besuchen die Grabung, befragen die Jugendlichen und filmen sie.
Förderkreis Prignitzer Museen e. V
Der Förderkreis Prignitzer Museen e. V. ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der Förderung von Wissenschaft, Forschung, Schul- und Berufsbildung sowie von Kunst und Kultur auf dem Gebiet der historischen Prignitz verschrieben hat. Der Verein unterstützt die Prignitzer Museen in ihrer kulturellen, wissenschaftlichen und gesellschaftsrelevanten Arbeit und fördert insbesondere deren Bildungs- und Vermittlungsarbeit. Initiatorinnen und Initiatoren, Akteurinnen und Akteure sowie Unterstützende des Projektes sind: Gordon Thalmann, Torsten
Foelsch, Katharina Zimmermann, Anja Bruhns, Antje Reichel, Torsten Geue,
Thomas Hauptmann und Jörg Hildebrandt für die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger des Landkreises Prignitz.
Erfahren Sie mehr unter:
www.prignitzer-museen.de
