Die Silberne Halbkugel
Vorstand und Fährleute des Fördervereins Siebeneichen e. V.
© Förderverein Fähre Siebeneichen e. V.
Würdigung
Wir ehren ein außergewöhnliches technisches Denkmal: die Fähre Siebeneichen – eine Seilzugfähre über den Elbe-Lübeck-Kanal, die weit mehr ist als ein Relikt aus den 60er Jahren. Sie ist ein lebendiges Zeugnis historischer Infrastruktur, ein seltenes Beispiel handwerklich geprägter Verkehrstechnik und ein Denkmal, das noch immer seiner ursprünglichen Bestimmung dient.
Gebaut im Jahre 1960 auf der Staatswerft Rendsburg, ist die Fähre Siebeneichen eine von nur wenigen erhaltenen Seilzugfähren dieser Art in Deutschland. In einer Zeit, in der technischer Fortschritt oft mit Ersatz gleichgesetzt wird, erinnert sie uns daran, dass auch Technik Geschichte schreibt und dass deren Erhalt bürgerliches Engagement und technisches Verständnis erfordert.
Die Fähre steht für eine Ära, in der Technik funktional, robust und zugleich ästhetisch war. Mit ihrer einfachen Konstruktion, ihrem Dieselantrieb und der mechanischen Seilführung zeigt sie, wie Technik in der Fläche funktionierte: zuverlässig, ressourcenschonend, lokal angepasst. Ihre Überfahrt, so kurz sie auch sein mag, ist eine Reise in die Geschichte des regionalen Verkehrs – erfahrbar, begreifbar, unmittelbar.
Doch was diese Fähre besonders auszeichnet, ist nicht allein ihre technische Integrität, sondern ihr Weiterleben im Betrieb, da sich Vereinsmitglieder in einem zeitintensiven Prozess zu Fährleuten ausbilden lassen. Dass sie heute wieder fährt, ist nicht Verdienst großer Institutionen, sondern der Entschlossenheit engagierter Bürgerinnen und Bürger, eines Fördervereins, der Gemeinde Siebeneichen und vieler Freiwilliger zu verdanken. Hier wurde nicht nur ein Objekt bewahrt und teils sehr aufwändig Instand gesetzt – hier wurde technisches Kulturerbe als Teil gelebter Identität begriffen und liebevoll gepflegt.
Als technisches Denkmal in Betrieb erfüllt die Fähre heute eine doppelte Funktion: Sie verbindet geografisch zwei Ufer und kulturell zwei Zeiten. Sie ist damit nicht nur ein Stück Technikgeschichte, sondern auch ein Lehrstück über Nachhaltigkeit, über Erhalt statt Ersatz und über die Bedeutung regionaler Techniktradition im nationalen Kontext. Als neues Teilstück im Radwegenetz hat sie auch eine zukunftsfähige neue Funktion gefunden.
Mit der Silbernen Halbkugel würdigen wir nicht nur dieses technische Denkmal selbst, sondern auch das beispielhafte Engagement zu seinem Erhalt. Die Fähre Siebeneichen beweist eindrucksvoll, wie technische Denkmale sichtbar, nutzbar und damit dauerhaft lebendig gehalten werden können. Wir gratulieren zur Silbernen Halbkugel und wünschen noch viele Fahrten über den Elbe-Lübeck-Kanal.
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Mehr InformationenSelbstdarstellung
Der Elbe-Lübeck-Kanal in Schleswig-Holstein wurde im Jahr 1900 als Verbindung für die Binnenschifffahrt zwischen Elbe und Ostsee in Betrieb genommen. Für die Querungen der Landwege wurden Brücken entlang des 61,5 km langen Kanals zwischen Lübeck und Lauenburg errichtet. Einzig bei Siebeneichen wurde eine Fährverbindung für eine handbetriebene Seilzugfähre installiert. Ab 1960 kam die jetzige Motor-Fähre SF 74 zum Einsatz. Die Fähre wurde zunächst von der Wasserstraßenverwaltung und ab 1986 vom Amt Büchen betrieben. Mit den Jahren verlor die Fährverbindung an Bedeutung für den ortsverbindenden Verkehr und es wurde zusehends der Fortbestand aus ökonomischen Gründen in Frage gestellt. Die Vorstellung, dass es die Fähre eines nahenden Tages nicht mehr bei Siebeneichen geben könnte, mobilisierte ein ganzes Dorf und es wurde mit vielfältigen Aktionen für den Erhalt der Fähre geworben, wie auch protestiert.
Am 7. November 2014 wurde der Förderverein Fähre Siebeneichen gegründet, der 2016 Gemeinnützigkeit erlangte. Obwohl eine Lösung für den Fortbestand der Fähre noch nicht greifbar war, begannen Vereinsmitglieder der ersten Stunde ihre Ausbildung zu ehrenamtlichen Fährleuten. Sie setzten mit ihrer Entschlossenheit ein nachdrückliches Zeichen und lösten damit einen konstruktiven Findungsprozess für den Fortbestand der Fähre aus. Hinzu kam, dass die Fähre im November 2015 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Schließlich wurde der Fortbestand in einer vertraglichen Dreierlösung gefunden. Der Landkreis als Eigentümer und Verwalter der Fähr-Stiftung übernimmt finanzielle, versicherungstechnische und administrative Pflichten. Er überlässt die Fähre dem Förderverein zur Nutzung. Die Gemeinde Siebeneichen verantwortet offiziell den Fährbetrieb und übt somit das Fährrecht aus. Der Förderverein übernimmt ebenfalls finanzielle Verpflichtungen, organisiert den Fährbetrieb mit seinen ehrenamtlichen Fährleuten, bildet weitere Fährleute aus, betreut und pflegt die technische Anlage. Mit diesem Modell wurde auch der Fährbetrieb umgestellt und dem tatsächlichen Bedarf und den personellen Möglichkeiten der ehrenamtlichen Fährleute angepasst. Die Fähre fährt seitdem im Sommerhalbjahr, von April bis 3. Oktober an den Wochenenden (Sa.–So.) sowie an Wochenfeiertagen, in der Zeit von 10 bis 18 Uhr. Außerhalb der regulären Fahrzeiten kann die Fähre auch für besondere Anlässe gebucht werden.
Das Fährentgelt wurde abgeschafft und auf Spendenbasis umgestellt. Wer heutzutage die Fähre benutzt, bestimmt selbst, ob er eine Spende geben möchte. Die Erfahrung mit diesem Procedere hat sich bewährt. Der Förderverein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Zum Auftakt jeder Saison gibt es ein Anfährfest und zum Abschluss ein Abfährfest.
Der Förderverein verfügt derzeit über 110 Mitglieder und stellt ein Personalpool von 10 ehrenamtlichen Fährleuten für den Fährbetrieb bereit. Im Halbjahresbetrieb kommt es durchschnittlich zu rund 1 500 Fährpassagen, es werden
ca. 1 000 KFZ und ca. 4 000 Personen befördert, sowie unzählige Fahrräder transportiert. Die Fähre Siebeneichen erfreut sich hoher Beliebtheit. Die ehrenamtlichen Fährleute engagieren sich mit Hingabe und Leidenschaft. Es hat sich hier eine Wandlung vom zweckdienlichen Transportmittel zu einem Highlight der Naherholung und des sanften Tourismus im Landkreis vollzogen.
Modellcharakter hat die Symbiose der Aufgabenteilung zwischen kommunalen Institutionen und ehrenamtlichem Engagement. In der Dorfgemeinschaft hat die Fähre nachdrücklich den Zusammenhalt gefördert und verleiht unserer Gemeinde eine identitätsstiftende Einmaligkeit in der Region.
Erfahren Sie mehr unter:
www.faehre-siebeneichen.de
