Die Silberne Halbkugel
Vorstand des Fördervereins Point Alpha e. V.
v. l.: Heiko Rothmann, Berthold Jost, Diana Henning, Guido Wächtersbach, Raymond Walk und Stefan Sachs © Rhönsachs Annett Sachs
Würdigung
Auf einer Landkarte findet man die Gedenkstätte Point Alpha auf halbem Weg zwischen den Ortschaften Rasdorf und Geisa. Hier verläuft die Grenze zwischen Hessen und Thüringen – Deutschland war bis 1990 an dieser Stelle geteilt. Vergrößert man den Maßstab, kommt die glücklicherweise vergangene Bedrohung des Kalten Kriegs in den Blick: Auf alten Plänen der NATO könnte man hier das „Fulda Gap“ eingezeichnet finden, eine der vier angenommenen Einfallschneisen des Warschauer Paktes in die Bundesrepublik Deutschland. Daher war der „Observation Post Alpha“– kurz: „Point Alpha“– einer der wichtigsten Beobachtungsposten der US-Army an der innerdeutschen Grenze. An dieser geschichtsträchtigen Stelle befindet sich heute ein beeindruckender Erinnerungs- und Lernort, der nicht zuletzt für Demokratie und Freiheit steht. Hier wird auch der renommierte Point-Alpha-Preis in Erinnerung an die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands und für besondere Verdienste um die deutsche und europäische Einheit in Frieden und Freiheit verliehen.
Das wäre anders ohne den Förderverein Point Alpha e. V. Seine Geschichte ist selbst ein eindrucksvolles Zeugnis deutscher Nachwendegeschichte. Der ehemalige Beobachtungspunkt samt seinem Camp sollte nach 1995 abgerissen und renaturiert werden. Dies wurde nur durch breites bürgerschaftliches Engagement auf thüringischer und hessischer Seite verhindert. Über die ehemalige Grenze hinweg gründeten sich zwei Trägervereine: einer in Hessen, einer in Thüringen, um dort in Aussicht gestellte Fördermittel nutzen zu können. Auf deren Betreiben wurden das Gelände unter Denkmalschutz gestellt und erste Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Nach der Instandsetzung der Gebäude und Errichtung zweier Mahnmale entstanden Ausstellungen – nicht zuletzt mit Unterstützung des Bundes. Unter großen Anstrengungen konnte 2005 durch das neuerbaute „Haus auf der Grenze“ zusätzliche Ausstellungsfläche gewonnen werden. 2008 waren Gedenkstätte und Besucherzahlen auf rund 80 000 jährlich so gewachsen, dass der Betrieb allein ehrenamtlich nicht mehr zu bewältigen war. Es wurde eine Stiftung gegründet und die Trägervereine in den Förderverein Point Alpha e. V. überführt. Dieser Verein unterstützt die Stiftung bei Veranstaltungen, ist in der Jugendarbeit aktiv und engagiert sich mit Arbeiten auf dem Gelände der Gedenkstätte. Seine Mitgliederzahl wächst.
Der Förderverein Point Alpha e. V. steht für gesellschaftlichen Zusammenhalt über Landesgrenzen hinweg, für Rettung und Erhalt eines wichtigen Denkmals deutscher Geschichte und dessen Vermittlung. Für dieses herausragende Engagement wird der Verein mit der Silbernen Halbkugel des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2025 ausgezeichnet.
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Mehr InformationenSelbstdarstellung
Die in der Gemeinde Rasdorf (Landkreis Fulda) befindliche Gedenkstätte, der ehemalige „Observation Post Alpha“ (kurz: „Point Alpha“), war einer der wichtigsten Beobachtungsstützpunkte der US-Streitkräfte in Europa und einer der heißesten Punkte im Kalten Krieg. Hier standen sich die Vorposten von NATO und Warschauer Pakt bis zum Jahr 1990 gegenüber, ehe der Stützpunkt aufgegeben wurde. Nach dem Abzug der US-Streitkräfte stand das Objekt im Eigentum des Bundes leer bzw. wurde vorübergehend für die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern genutzt.
Zwecks Erhalt des Point Alpha wurde 1991 der Verein „Regenbogenprojekt e. V.“ mit dem Ziel gegründet, eine zentrale Gedenkstätte der Wiedervereinigung, eine Bildungsstätte zum Themenbereich Demokratie und Leben im Grenzbereich, ein Grenzmuseum und eine gestaltete Kunstgrenzlandschaft mit einem grenzübergreifenden Regenbogenkunstwerk nach einer Idee des Künstlers Josef Knecht zu schaffen. Das Projekt scheiterte wegen fehlender finanzieller Mittel und der Verein wurde aufgelöst. Aus Sicht der damaligen Hessischen Landesregierung sollte die Liegenschaft Point Alpha renaturiert werden, was zum Widerstand in der Region führte. Nach einem Ortstermin mit dem Landesamt für Denkmalpflege und den umliegenden Ortsbürgermeistern, wurde der Militärstützpunkt Point Alpha als Kulturdenkmal in die Denkmalliste eingetragen. 1995 gründete sich der Verein „Grenzmuseum Rhön Point Alpha e. V. – Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätte“ welcher ehrenamtlich geführt wurde und übernahm das Gelände mit den inzwischen maroden Baracken. Sicherungsarbeiten an den Gebäuden und die Wiederherstellung der Einfriedigung waren die ersten Aufgaben, die erledigt werden mussten. Die Baracken wurden nach und nach saniert und verschiedene Dauerausstellungen geschaffen. Die durch die steigende Besucherzahl resultierenden Aufgaben konnten in ehrenamtlicher Tätigkeit nicht mehr bewältigt werden. So wurde zu Beginn des Jahres 2008 die Point Alpha Stiftung, mit dem Zweck der Erhaltung des Geländes mit finanziellen Mitteln und durch aktives ehrenamtliches Engagement, gegründet. Der seitherige Trägerverein wandelte sich in den heutigen „Förderverein Point Alpha e. V.“ um. Die Gedenkstätte ist in den letzten Jahrzehnten Anziehungspunkt für Hunderttausende Besucher, besonders von Schülerinnen und Schülern sowie Jugendlichen, aus dem In- und Ausland geworden. Im April eines jeden Jahres findet die „Last Border Patrol“ als Erinnerung an den Abzug der US-Army mit Schülerinnen und Schülern von amerikanischen Gymnasien aus dem Rhein-Main-Gebiet und der Region um den Point Alpha statt. Die jährlich stattfindenden Veranstaltungen zum Tag der Deutschen Einheit am
2. und 3. Oktober sind ein Bekenntnis zur Einheit in Freiheit in einem demokratischen Staat.
Point Alpha steht für Freiheit und Demokratie und wird von vielfältigem ehrenamtlichem Engagement geprägt. Inzwischen betreuen 50 ehrenamtliche Gästeführer die jährlich rund 1 500 Besuchergruppen.
Erfahren Sie mehr über den Verein unter:
www.pointalpha.com
