Die Silberne Halbkugel
Mitglieder des Verein Gleis 69 e. V. © gleis69.de
Würdigung
Der Verein Gleis 69 e. V. mit seinem Vorstand Dr. Thomas Abel engagiert sich in besonderem Maß gesellschaftspolitisch und ehrenamtlich für die Vermittlung der jüdischen Geschichte in Berlin Tiergarten und im Besonderen des Denkmalorts am ehemaligen Güterbahnhof Moabit.
Beim Gleis 69 des Güterbahnhofs Moabit handelt es sich um das letzte verbliebene Gleis des größten Berliner Deportationsbahnhofs, von dem circa 30.000 Berliner Jüdinnen und Juden zwischen Mitte 1942 und Januar 1944 deportiert worden waren.
Der Verein bemühte sich erfolgreich um die Aufarbeitung der Geschichte des Ortes und den Denkmalschutz für die überlieferten Sachzeugnisse. Seit Jahren setzt er sich für den Erhalt der gefährdeten Denkmalsubstanz ein.
Unermüdlich mahnen Dr. Thomas Abel und seine Mitstreitenden zur Verantwortung für die Sicherung und Bewahrung der fragilen Zeugnisse, die „dabei waren“. Mit der Fokussierung auf die Überlieferung der ehemaligen Deportationsrampe werden Grundsätze des Denkmalschutzes weitergetragen und die Bedeutung des Denkmals immer weiter erschlossen. Die Begegnung mit den authentischen Zeugnissen als Träger der historischen Aussage und ihre Sichtbarmachung steht im Zentrum der breitgefächerten Vermittlungsarbeit des Vereins. Die Erschließung von Quellen, die Zugänglichkeit zu Fakten und Erkenntnissen sowie das Fortschreiben einer Chronologie der Ereignisse sichern wichtige Zugänge zum Denkmal.
An den langjährigen Vorarbeiten, die zur Auslobung und anschließenden Realisierung des Gedenkorts führten, war maßgeblich auch der Verein „Sie waren Nachbarn“ beteiligt. Dr. Thomas Abel wurde 2015 Gründungsmitglied und Vorstand des Vereins. Seit 2018 setzt er sich als Mitgründer und Vorstandsmitglied von Gleis 69 e. V. weiter dafür ein, an das Schicksal jüdischer Mitmenschen und anderer Verfolgter im Dritten Reich zu erinnern.
Der Verein Gleis 69 e. V. leistet für die Vermittlung der Bedeutung der denkmalgeschützten ehemaligen Deportationsrampe eine wertvolle kontinuierliche Geschichts- und Erinnerungsarbeit. Er setzt sich maßgeblich für die Überlieferung, Pflege, Unterhaltung des Denkmals und einen würdigen Umgang mit dem bestehenden Gedenkort durch die Förderung und Gestaltung einer lebendigen generationenübergreifenden Gedenkkultur sowie vorbildlicher Denkmalvermittlung ein.
Zu der hochwertigen Wissensvermittlung gehören Führungen, Ausstellungen, schulbezogene Projekte und Stadtspaziergänge. Darüber hinaus sorgt der Verein kontinuierlich für die Vernetzung zwischen Akteurinnen und Akteuren und Kooperationen mit ähnlich ausgerichteten Einrichtungen. Diese Arbeit trug unter anderem maßgeblich zur Bildung eines Runden Tisches bei, der sich mit der weiteren Entwicklung des Gedenkortes befasst.
Der Verein Gleis 69 e. V. steht für vorbildliche, vernetzte Erinnerungsarbeit, die Förderung lebendiger Gedenkkultur über Landesgrenzen hinweg. Die wertvolle ehrenamtliche Arbeit ist dem Denkmalgedanken förderlich, verbindend, aufklärend und demokratiefördernd.
Für dieses herausragende Engagement wird dem Verein Gleis 69 e. V. die Silberne Halbkugel des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2026 verliehen.
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Der Verein Gleis 69 erinnert an jüdisches Leben in Tiergarten. Dazu hat er sich vielfältig mit Schulen, Kirchen- und Moscheegemeinden und zivilgesellschaftlichen Gruppen vernetzt.
Er arbeitet mit verschiedenen Verwaltungen und Institutionen des Gedenkens zusammen. Regelmäßig zeigt er Austellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und bezirklichem Bezug. So wurden die Ausstellungen zu jüdischen Ärztinnen und Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern wie auch jüdischen Künstlerinnen und Künstlern in Tiergarten gut besucht. Die Ausstellungen zum Haus Brückenallee 33 und zur Hansaklinik förderten schon lange vergessenes Wissen wieder zu Tage.
Daneben verfolgt der Verein mehrjährige Projekte mit Bundesbehörden und der Humboldt Universität Berlin. Ebenso veranstaltet er Stadtspaziergänge, Buchvorstellungen und gibt Hilfestellungen bei Stolpersteinverlegungen. In den letzten Jahren hat er fehlplatzierte Gedenktafeln dokumentiert und für die Anbringung an passenderen Orten gesorgt. Dabei kamen überraschende Kooperationen mit Krankenhäusern, Bundesbehörden, Eigentümergemeinschaften und Nachfahren der Geehrten zustande.
Im Mittelpunkt der Vereinstätigkeit steht die Rettung der Deportationsrampe am ehemaligen Güterbahnhof Moabit, dem größten Deportationsbahnhof Berlins. Daher auch die Namensgebung. Nachdem der Verein sich erfolgreich für den Denkmalschutz des Geländes eingesetzt hat, konnte eine weitere Überbauung der Rampe verhindert werden. Aktuell setzt sich der Verein für die Sicherstellung einer umfangreichen Restaurierung dieses historischen Bauwerks ein, welches andernfalls in wenigen Jahren dem endgültigen Verfall preisgegeben wäre.
Diese Arbeit erfolgt ausschließlich ehrenamtlich und ist nur durch die Unterstützung eines großen Freundeskreises möglich. Alle Aktivitäten und das gesamte Ausstellungsmaterial sind auf der regelmäßig überarbeiteten Webseite des Vereins dokumentiert und werden dort noch Jahre später aufgerufen.
Erfahren Sie mehr über den Verein unter:
www.gleis69.de