Medienpreis
Henning Biedermann © privat
Würdigung
Henning Biedermann erzählt Geschichten, gefühlvoll und unterhaltsam. Obwohl in unserem Fall das Thema auf den ersten Blick alles andere als einfach ist.
Leerstand, Ödnis und Abriss – abseits der Großstädte kämpfen viele Kommunen mit Abwanderung und einer älter werdenden Bevölkerung. Immer mehr Gebäude stehen leer und drohen nach Jahren und Jahrzehnten Leerstand verloren zu gehen. Mit ihrer Geschichte verschwindet dann auch Stück für Stück die spezifische Identität eines Ortes, das Einzigartige.
So auch im unterfränkischen Aub. Ein kleiner Ort mit alten Gebäuden in der Ortsmitte, fernab der Metropolen oder Stätten mit überregionalem Bekanntheitsgrad. Doch dann hatte die Gemeinde mehrere gute Ideen: ein überzeugendes Konzept für den historischen Ortskern, getragen von dem Willen, Aub nicht der Erinnerung zu überlassen, sondern den Ort lebendig in die Zukunft zu tragen. Ein Netzwerk von Unterstützenden für Kaufinteressierte sowie Neubürgerinnen und Neubürger. Hier wird für potenzielle Bauherrinnen und Bauherren Machbarkeit, Förderung und Baurecht gleichzeitig in den Blick genommen. Damit entsteht Hoffnung auf Zukunft – fünf denkmalgeschützte Häuser haben schon neue Eigentümerinnen und Eigentümer und damit Hoffnung auf ein Morgen gefunden.
Die Geschichte des Beitrags erzählt von einem Ansatz zur Rettung von Denkmalen. Aber sie ist mehr als das. Gefühlvoll und unterhaltsam verbinden sich Sprache, Bild und Musik zu einem Gesamterlebnis. Es handelt sich um einen sechsminütigen Beitrag, mühelos „zwischendurch“ zu konsumieren. Oder auch, zur Nachahmung, potenziellen Eigentümerinnen und Eigentümern, Kommunen, Bauherrinnen und Bauherren oder Planerinnen und Planern vorführen. Einfach so, mit Anregung zur Nachahmung.
Der Fernsehbeitrag „Denkmalwunder: Aub rettet seine Identität“ ist mehr als ein gut gemachter Beitrag über eine Kleinstadt im Unterfränkischen. Es ist eine Erzählung mit Hoffnung zur Kraft der Selbstermächtigung. Eine Hommage an das Erbe, welches weitergetragen werden kann und muss. Graben wir tiefer, finden wir Spuren unserer Prägung und Gesellschaft.
Aufgabe von Denkmalpflege und Denkmalschutz ist es, diese Spuren zu erhalten und auch zukünftigen Generationen Zugang zu dem zu bewahren, was uns heute ausmacht. Der Filmbeitrag von Henning Biedermann über Aub reiht sich so mit zugänglicher Sprache, Freude am Thema und Verdichtung in gut gestaltete Vermittlungsarbeit für die Denkmalpflege ein.
Selbstdarstellung
Henning Biedermann wuchs in einem Haus auf, das sein Urgroßvater Anfang des 20. Jahrhunderts im Thüringer Wald in Bad Liebenstein baute. Rundherum alte Kurhotels, das Theater und die Villen der Meininger Herzöge, in der Nähe Schloss Altenstein mit seinem Landschaftspark, an dessen Gestaltung Hermann Fürst von Pückler-Muskau und Peter Joseph Lenné mit beteiligt waren. Diese Umgebung und das familiäre Engagement zu ihrem Erhalt haben ihn geprägt und unter anderem sein Interesse für historische Architektur und Gartenkunst geweckt.
Nach einem kulturwissenschaftlichen Studium in Marburg zog es ihn nach München, wo er seit 28 Jahren hauptsächlich für die Kulturmagazine von BR und ARD (Capriccio und ttt, früher Kulturreport) Beiträge produziert. Viele davon zu den Problemen der Bau- und Bodendenkmalpflege: das Verschwinden bäuerlicher Architektur von Unterfranken bis Oberbayern, die Plünderung keltischer Gräber durch Sondengänger, die Zerstörung historischer Ortskerne durch Neubauten, die Auswirkungen des Massentourismus auf Neuschwanstein…
Glücksmomente sind für ihn Beiträge, in denen er über die Erfolge von Bürgerinitiativen, engagierten Gemeinderätinnen und Gemeinderäten sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern bei der Rettung von Baudenkmälern berichten kann. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk dieses Engagement in der Denkmalpflege sichtbar macht und dafür Sendeplätze schafft (und nicht abbaut), ist ihm ein großes Anliegen.
Entdecken Sie den Beitrag in der ARD Mediathek:
www.br.de