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Die Silberne Halbkugel

Ingrid Girrbach
DNK_Ingrid-Girrbach

Ingrid Girrbach © Deutsches Dampflok- und Modelleisenbahnmuseum

Würdigung

Ein siebenständiger Ringlokschuppen, eine voll funktionsfähige Drehscheibe von einundzwanzig Metern Durchmesser, dazu die Bekohlungsanlagen und natürlich das Verwaltungsgebäude. Auf dem vier Hektar großen Freigelände sind sechsundzwanzig Dampflokomotiven, mehrere Dieselloks, Personen-, Schlaf- und Güterwagen, sowie zahlreiche weitere Exponate aus der deutschen Eisenbahngeschichte, insbesondere aus der Dampflokära, ausgestellt und für die Besucherinnen und Besucher zugänglich.
Die Auflistung, mit der sich das Deutsche Dampflok- und Modelleisenbahnmuseum im ehemaligen Bahnbetriebswerk Tuttlingen auf seiner Website vorstellt, klingt beachtlich. Doch sie wird noch beeindruckender, wenn man weiß: Die gesamte Anlage wird von einer Familie betrieben. Im Zuge der Verlegung und Erweiterung des Tuttlinger Bahnhofs errichtet und 1933 eingeweiht, wurde das Bahnbetriebswerk 1975 stillgelegt. In den frühen Neunzigerjahren verkaufte die Bundesbahn das zwischen der weiterhin betriebenen Bahnstrecke nach Immendingen und der hier noch jungen Donau gelegene Areal an die Pforzheimer Unternehmerfamilie Girrbach, die eine Möglichkeit suchte, eine größere Zahl aus Beständen der DDR-Reichsbahn erworbener Dampfloks unterzustellen. Nach dem Tod ihres Ehemannes Werner Girrbach führte Ingrid Girrbach gemeinsam mit ihren Kindern Patricia und Werner-Patrick die Schienenfahrzeugsammlung fort und begann mit der Restaurierung des Bahnbetriebswerks. Dabei setzt sie bis heute beachtliche Summen aus privaten Rücklagen ein, nimmt Kredite auf, sammelt Spenden und investiert, um das Baudenkmal, die Außenanlagen sowie die Exponate zu sichern und zu erhalten.
Alljährlich von Mai bis Oktober ist das Museum sonn- und feiertags für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Lokschuppen kann für Feiern, Konferenzen und ähnliche Veranstaltungen gemietet werden. Durch Führungen, Vorträge und Mitmachangebote für alle Altersgruppen vermittelt Ingrid Girrbach, gemeinsam mit ihren Kindern und weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitenden, anschaulich die historische Bedeutung des Ringlokschuppens und auch der Dampflokomotiven.
Ohne den jahrzehntelangen, ebenso unermüdlichen wie außergewöhnlichen Einsatz von Ingrid Girrbach wäre es undenkbar, dass der Ringlokschuppen auch fünfzig Jahre nach seiner Stilllegung erhalten ist und der Unterstellung historischer Lokomotiven dient. Nichtsdestoweniger bleibt noch einiges zu tun, nicht nur bei der Restaurierung der Gebäude: So sind etwa die Modelleisenbahnanlagen derzeit noch archiviert und können nicht besichtigt werden. Die Verleihung des Deutschen Preises für Denkmalschutz soll deshalb nicht nur Ingrid Girrbachs Leistungen für den Erhalt und die Vermittlung von Verkehrs- und Technikgeschichte würdigen, sondern für sie und ihre Familie auch ein Ansporn sein, auf dem eingeschlagenen Weg fortzuschreiten.

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Mehr Informationen

Selbstdarstellung

Das Bahnbetriebswerk Tuttlingen wurde 1933 eingeweiht und war bis in die 1970er-Jahre in Betrieb. In dieser Zeit wurde es für die Bekohlung, Bewässerung und Wartung von Dampflokomotiven genutzt. Nach der Stilllegung stand das Gelände rund 20 Jahre leer – vollkommen ungeschützt gegen Wind, Wetter und Vandalismus bis es 1991 von der Familie Girrbach gekauft wurde. In Sonderfahrten wurden Dampflokomotiven aus dem gesamten Bundesgebiet nach Tuttlingen überführt und damit vor der sicheren Verschrottung gerettet und für die Nachwelt bewahrt. Nach dem Tod von Herrn Girrbach 1996 wurde das völlig verwüstete Bahnbetriebswerk bis heute mit viel Engagement, Herzblut und erheblichen Eigenmitteln Schritt für Schritt restauriert. Die Anfangszeit war äußerst schwierig, da es auf dem Gelände kein Wasser und keinen Strom gab. Wenn man von dem Flair, welcher dieses Gelände umgeben kann, nicht überzeugt gewesen wäre, hätte man die Belastungen, die schon im Voraus zu sehen waren, nicht annehmen können.
In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Das marode Dach wurde vollständig erneuert, morsche Balken und Bretter ersetzt, die Westfassade inklusive Fenster originalgetreu wiederhergestellt und sämtliche Fenster im Verwaltungsgebäude denkmalgerecht instandgesetzt. Ein zwei Kilometer langer Zaun wurde gesetzt, um das Dampflokmuseum gegen erneuten Vandalismus zu schützen und die Ergebnisse der mühevollen Restaurierungsarbeiten der Nachwelt unversehrt erhalten zu können. Hierzu zählen z. B. die Restaurierung der massiven Stahlbetonpfeiler sowie der sieben Lokschuppentore und die originalgetreue Wiederherstellung der historischen Holzfenster im oberen Bereich des Lokschuppens durch Restauratoren, die den Besucherinnen und Besuchern einen originalgetreuen Einblick in die Eisenbahnära bieten.
Heute entsteht so Schritt für Schritt mit viel Herzblut ein lebendiges Dampflokmuseum, das die Ära der Dampflokomotiven für alle Generationen erfahrbar macht. Darüber hinaus hat sich der Lokschuppen zu einer sehr beliebten
EventLOKation entwickelt, die durch ihre historisch einmalige Kulisse sowohl private Feste als auch Firmenveranstaltungen zu unvergesslichen Ereignissen werden lässt. Das Bahnbetriebswerk Tuttlingen hat damit einen unverwechselbaren Charakter erhalten, der weit über die Region hinaus geschätzt wird und dem dauerhaften Erhalt des kulturellen Erbes für die Gesellschaft dient.

Erfahren Sie mehr über das Museum unter:
www.bahnbetriebswerk-tuttlingen.de