Vermittlungspreis
Bildungs- und Erinnerungsarbeit am Bodendenkmal Gedenkweg Buchenwaldbahn
Würdigung
In der Kategorie Vermittlung würdigt das DNK herausragende Projekte der Kinder,- Jugend- und Erwachsenenbildung im Bereich der Denkmalpflege. Dieser Preis wurde 2022 zum ersten Mal vergeben und würdigt im Jahre 2026 ein Engagement, das in diesen Zeiten die besondere Beachtung von uns als Gesellschaft und von uns allen persönlich verdient. Der Vermittlungspreis 2026 ehrt die überregional bekannte Bildungs- und Erinnerungsarbeit einer Gruppe von ehrenamtlich tätigen Menschen, verortet an einem Bodendenkmal der besonderen Art, dem Gedenkweg Buchenwaldbahn.
Im Jahr 1944 schickte die SS vom KZ Buchenwald und aus dessen Außenlagern Vernichtungstransporte mit Kindern, Jugendlichen, jungen Müttern und gebrechlichen Menschen, die zu jung oder zu schwach für die Zwangsarbeit waren, mit Todeszügen nach Auschwitz. Sie wurden fast alle in den dortigen Gaskammern ermordet. Darüber hinaus kamen in den letzten Wirren des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Minderjährige im Stammlager auf dem Ettersberg und in den Außenlagern ums Leben. Sie starben an Krankheiten, Entkräftung, Hunger und an den Folgen körperlich anstrengender Zwangsarbeit.
Auf Betreiben von Heiko Clajus konnte in Weimar eine Initiativgruppe ins Leben gerufen werden, die im Jahr 2007 begann, auf dem Kamm des Ettersberges die Spuren der einstigen Buchenwaldbahn sichtbar zu machen. Mit Unterstützung der Stadt Weimar und des Forstamtes Bad Berka wurde auf einer Länge von 3,5 km entlang der heutigen Blutstraße ein Gedenk- und Wanderweg angelegt. An einem Teilstück der ehemaligen Bahntrasse entsteht fortlaufend eine künstlerisch gestaltete Gedenkstätte, die aus aktuell über 350 Gedenksteinen besteht und an die minderjährigen Opfer des KZ-Buchenwald und seiner Außenlager erinnert.
Die Steine werden in Eigeninitiative individuell bearbeitet und gestaltet. Darüber hinaus sind die Arbeiten am Gedenkweg Buchenwaldbahn sehr vielfältig. Vom Entfernen von Totholz, der Begradigung von Wegabschnitten, dem Reinigen der Entwässerungsgräben bis hin zum Arbeiten in den Sommermonaten mit Freischneidern, erfordert es viel Zeit, Organisation und Power, das Denkmal zu pflegen. Es findet in Freizeit oder Unterricht statt und berührt die Teilnehmenden auf intellektueller und körperlicher Ebene. Zudem wird das Projekt stetig fortgesetzt, bis für alle deportierten Kinder und Jugendlichen und diejenigen Minderjährigen, die den Gesamtlagerkomplex Buchenwald nicht überlebten, ein Gedenkstein verlegt worden ist. Aktuell wird von etwa 1.800 in diesem Zusammenhang verschleppten, gestorbenen und ermordeten Menschen ausgegangen.
Die gewürdigte Initiative bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, an einem Erinnerungsprojekt teilzuhaben und selbst aktiv zu sein. Selbst ins Machen zu kommen, etwas gegen das Vergessen tun zu können, ist gut und wichtig. Denn antisemitische Vorkommnisse in Deutschland nehmen zu. So bezieht sich das Denkmalvermittlungsprojekt leider auch auf die bestehende Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen, bietet ihnen aber Raum für Austausch, Diskussion und aktives bürgerschaftliches Engagement.
Das denkmalvermittlerische Engagement des Projektes Gedenkweg Buchenwaldbahn ist vorbildhaft, lädt zur Nachahmung ein und erhält damit den Vermittlungspreis 2026.
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Mehr InformationenSelbstdarstellung
Das KZ Buchenwald bildete mit seinen Außenlagern einen der größten Komplexe des nationalsozialistischen Lagersystems. Viele der einstigen Anlagen auf dem Weimarer Ettersberg sind heute kaum noch im Gelände erkennbar – umso wichtiger ist ihre Erhaltung und die Vermittlung, was dort einst geschah.
Die Initiative Gedenkweg-Buchenwaldbahn macht die Strecke der ehemaligen Bahnlinie zwischen Weimar und Buchenwald sichtbar und erhält die verbliebenen historischen Relikte. Entlang der heutigen „Blutstraße“ wurde ein 3,5 km langer Gedenk- und Wanderweg angelegt, der eine fußläufige Annäherung an den geschichtsträchtigen Ort der heutigen KZ-Gedenkstätte ermöglicht. Aus dieser Anfangsidee ist mittlerweile viel mehr geworden. Der Gedenkweg hat sich zu einem lebendigen Ort der Erinnerung und der Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart entwickelt.
Ein Bestandteil des Projekts ist die Fertigung und Aufstellung individuell gestalteter Gedenksteine, mit denen an Kinder und Jugendliche erinnert wird, die vom Stammlager Buchenwald nach Auschwitz deportiert wurden oder in den zahlreichen Außenlagern ums Leben kamen. An einem Teilstück des Gedenkweges entstand in den vergangenen Jahren ein ständig wachsendes Denkmal, an dem Menschen aus vielen Teilen der Welt mitgewirkt haben.Der Initiative ist es wichtig, den deportierten Minderjährigen einen würdigen Gedenkort zu schaffen, ihre Einzel- und Familienschicksale zu erforschen und Biografien auf der Webseite des Projekts zu präsentieren.
Der Gedenkweg Buchenwaldbahn versteht sich als Ort der historisch-politischen Bildung und lädt ein, sich aktiv mit Geschichte auseinanderzusetzen. In Zeiten, in denen rechtspopulistische Parteien viel Zuspruch bekommen und geschichtsrevisionistische Tendenzen in beängstigender Weise zunehmen, sind Erinnerungsprojekte mit partizipativer Teilhabe besonders wichtig.
Erfahren Sie mehr unter:
www.buchenwaldbahn.de