Medienpreis
1. Reihe v. l.: Liane Gruß, Marcus Latton, Martha Görsch, Ursula Voßhenrich
2. Reihe v. l.: Anne Winter, Ulrike Bieritz, Gesine Rauhut, Torben Zimmermann
3. Reihe v. l.: Vera Kröning-Menzel, Annekathrin Ruhose, Alina Ryazanova © rbb und privat
Würdigung
Ein so vielfältiger und fundierter Themenschwerpunkt in einem öffentlich-rechtlichen Sender ist bemerkenswert: Über mehrere Wochen sendeten die Hörfunk-, TV-, Online-Programme und auf Social Media Plattformen des rbb 2024 zahlreiche kurze und lange Beiträge zu Kirchengebäuden. Dabei ging es um deren Denkmalwerte, Gefährdung und die verloren gehende Nutzung für gottesdienstliche Zwecke sowie bürgerschaftliches Engagement zur Nutzungserweiterung oder Nachnutzung dieser heimatprägenden Gebäude. Es wurde auch über Kirchengemeinden berichtet, die schwere Entscheidungen zu ihren Baubeständen treffen müssen. Begleitet wurden die Sendungen durch Informationen auf dem Webportal des Senders. Verantwortlich war dessen Redaktion „Gesellschaft und Religion“.
In Zeiten, in denen die Aufmerksamkeitsspannen von Mediennutzenden angeblich immer kürzer werden, fallen die ruhigen, teilweise langen und merklich gut recherchierten Sendungen auf. So zeigt eine Folge der rbb-Serie „Unser Leben“ beispielsweise ausführliche Interviews mit Personen, die sich für die Instandsetzung und Nutzungserweiterung von Kirchen engagieren. Die Akteure werden dabei authentisch und sympathisch porträtiert. Ein langes Gespräch mit dem Leiter des kirchlichen Bauamtes vermittelt verständliche Hintergrundinformationen. Mit lebendigen Einstellungen werden Kirchengebäude und deren Teilnutzung als Café, kommunaler Begegnungsort, Pilgerherberge oder Kulturraum mit Wohnfunktion präsentiert. Auf kritische Kommentierungen und Floskeln zum Denkmalschutz wird verzichtet. Im Gegenteil: Trotz der erheblichen Herausforderungen durch die vielen ungenutzten und bedürftigen Kirchengebäude verbreiten die Beiträge Zuversicht. Sie machen Mut zum Engagement.
Diese Gemeinschaftsleistung der Redaktion zeigt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk das Ethos und die Fähigkeiten hat, mit Verantwortung und Aufklärungswillen ein so wichtiges gesellschaftliches Thema zu behandeln. Das Konzept und seine vielfältige Umsetzung sind vorbildlich. Sie haben den Medienpreis des Deutschen Preises für Denkmalschutz daher unbedingt verdient.
Selbstdarstellung
Als schon seit Jahren crossmedial aufgestellte Fachredaktion berichtet das Team für alle Ausspielwege des rbb und der ARD über das religiöse Leben in Berlin und Brandenburg. Tagesaktuell und hintergründig werden nicht nur kirchliche, sondern auch gesellschaftlich relevante und multireligiöse Ereignisse eingeordnet, Geschichten erzählt und Debatten beobachtet oder angestoßen – für Fernsehen, Radio, Online und Social Media. Das Spektrum ist so breit, wie die Vielfalt in der Region. Im Kern geht es um ethisch-moralische Fragen oder ganz einfach darum, wie wir zusammenleben wollen. Regelmäßig setzt die Redaktion Schwerpunkt-
themen, die dann im gesamten rbb gesendet werden, passend formatiert für jeden Ausspielweg und in jeder Länge. Und wenn etwas von bundesweitem Interesse ist, berichtet das Team darüber für alle Landesrundfunkanstalten der Republik. Ob nun über die Kirchenaustritte und deren Folgen, die Eröffnung des Potsdamer Synagogenzentrums oder den neuen Hindutempel in Berlin-Neukölln; die Frage, ob sich Kirche in Politik einmischen darf, die jüngste Bilanz der Welthungerhilfe, die Debatte um assistierten Suizid oder Reformen in der katholischen Kirche – die Redaktion Gesellschaft und Religion im rbb ist da und vor Ort.
