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Medienpreis

Stephan Hermsen
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NRZ-Redakteur Stephan Hermsen © Lars Heidrich/Funke Foto Services

Würdigung

Im Zeitalter der Sozialen Medien und der rapide sinkenden Reichweiten klassischer Medien, allen voran des Printsektors, hat es das detailliert recherchierte und sachkundig geschriebene Wort schwer. Dies gilt auch und gerade für den Bereich der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes, die sich oft mit wohlfeiler Stimmungsmache konfrontiert sehen und auch in den Redaktionen nicht selten einen schweren Stand haben.

Entsprechend rar geworden sind Journalisten wie Stephan Hermsen, die sich ausdauernd und auf einem hohen journalistischen Niveau mit diesen Themen beschäftigen. In der langen Zeit, in welcher er bereits als Kulturredakteur der „Neuen Ruhr-/Rhein-Zeitung“ tätig ist, beobachtet und beschreibt er den Wandel der Baukultur in Nordrhein-Westfalen.

Sein besonderes Interesse gilt dabei dem Schicksal denkmalgeschützter Kirchen. Ihre Umnutzung sieht er als Chance, das wertvolle Erbe zu erhalten. Gerade für das Rheinland, das auf engem Raum reicher an Nachkriegskirchen ist als die meisten anderen Regionen, ist es ein Segen, wenn die Möglichkeiten der Erhaltung dieser Bauten von Medienschaffenden gesehen und einige gute Beispiele von der Presseaufgegriffenwerden. Dies hat Stephan Hermsen in vorbildlicher Weise über viele Jahre hinweg getan.

Gleichfalls beispielhaft war seine ebenso kluge wie mutige Begleitung eines weiteren schwierigen und sperrigen Themenfeldes: der Novellierung des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes. In seiner Berichterstattung hat er die komplizierten Gesetzesänderungen durchdrungen und nachdrücklich vor deren möglichen Folgen für das baukulturelle Erbe gewarnt.

Die Haltung, die hinter Stephan Hermsens Wirken steht, ist die Erkenntnis, dass Geschichte den Menschen im Alltag vor allem durch Architektur entgegentritt, dass kaum jemanden die gebaute Umwelt auf Dauer gleichgültig lässt, dass allem voran Baudenkmäler gebaute Historie sind, mit der sorgsam umgegangen werden sollte – heutzutage auch unter ökologischen Gesichtspunkten, im Sinne der Ressourcenschonung.

In Stephan Hermsen weiß die Denkmalpflege in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus einen äußerst versierten und treuen Journalisten an ihrer Seite. Die Auszeichnung mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz soll, neben der Würdigung seines bisherigen Schaffens, nicht nur ihm Ansporn sein, dieses in bewährter Weise fortzusetzen, sondern auch möglichst vielen anderen, es ihm gleich zu tun – auch und gerade unter den heutigen, schwierigen Bedingungen.

Selbstdarstellung

Nordrhein-Westfalen feierte gerade seinen 80. Geburtstag. Ein künstliches Bundesland, geschaffen durch die Britische Militärregierung nach der Befreiung Nazideutschlands. Ein Bundesland, auferstanden aus Ruinen und seitdem stetig auf der Suche nach einer Identität zwischen Katholizismus und Protestantismus, zwischen Rheinland und Westfalen, zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten, zwischen industrieller Blüte und fortwährendem Strukturwandel. Hier, wo fast nichts Bestand zu haben scheint, ist es womöglich besonders wichtig, die wenigen Zeugnisse der Geschichte wahrzunehmen, sie zu sichern und zu bewahren, um architektonische Ankerpunkte für eine Identität zu schaffen.

Mit seiner Heimat, mit ihren Wunden und Schätzen, ihren Narben und Sehenswürdigkeiten, befasst sich NRZ-Redakteur Stephan Hermsen schon sein ganzes Berufsleben. Gewiss, die Arbeit bei der – übrigens ebenfalls 80-jährigen –„Neuen Ruhr/Rhein Zeitung“erfordert Aktualität, den Blick aufs Neue, jeden Tag. Aber sie muss auch die Chance zum Atemholen bieten: Sagen, was ist. Und: Verweisen auf das, was bleibt oder zumindest bleiben sollte.

Geboren im Ruhrgebiet, aufgewachsen am Niederrhein und nunmehr seit fast drei Jahrzehnten in Essen zuhause, erlebt Stephan Hermsen jeden Tag den Wandel von Gebrauchsarchitektur zur Industrieruine und weiter zum Weltkulturerbe am Beispiel des Weltkulturerbes Zollverein vor der Haustür.

Und er beschreibt ihn, immer wieder: Als Feuilletonist und Reporter gewissermaßen mit ebenso einer Bindestrich-Eigenschaft versehen wie sein Heimatbundesland, hat Stephan Hermsen zunehmend die Denkmäler und den Denkmalschutz in NRW in den Fokus genommen und immer wieder zum Thema seiner Berichterstattung gemacht. Auch da gab es wiederum zwei Themengebiete, die aus seiner Sicht der besonderen Betrachtung würdig waren: Zum einen der fast unerkannte Schatz der Nachkriegskirchenbauten in der Region, denen in Zeiten schwindender Volkskirchen oft ein unwürdiges Ende und der Abriss droht. Und zum anderen die sogenannte Reform des Denkmalschutzgesetzes im Land, die aus seiner Sicht einer deutlichen Schwächung des Gesetzes gleichkommt und viele schützenswerte Bauten im Land gefährden könnte. Weil offenkundig die Botschaft noch nicht angekommen ist, dass Denkmalschutz auch Ressourcen- und Klimaschutz ist. Und wer die Vergangenheit und ihre Zeugnisse schützt, stiftet auch Zukunft und Identität. Etwas, das Nordrhein-Westfalen nach seiner Auffassung sehr nötig hat, gerade für den Erhalt einer demokratischen, vielfältigen und weltoffenen Kultur.