Die Silberne Halbkugel
Der Vorstand bei der Arbeit © privat
Würdigung
Ein winziges Haus erzählt so viel Geschichte und erzeugt viel bürgerschaftliches Engagement: Münstermauer 27 (MM27) in Rheine in Westfalen ist ein authentisches Exemplar des in Deutschland nur noch selten vorhandenen Gebäudetypus des Mauerhauses. Seit dem 16. Jahrhundert lebten und arbeiteten sogenannte Kleinbürger wie etwa Wollweber, Kleinhandwerker oder Schlachter hier eng gedrängt und zusammen mit ihrem Vieh. Eins der besonderen Relikte ist eine Viehrampe aus Ziegelsteinen an der Rückwand des Erdgeschosses, um den Höhenunterschied zwischen Gassenebene und dem tiefer gelegenen früheren Stadtgraben für die Ziegen und Schafe auszugleichen.
Zuletzt, bis 2017, hatte MM27 über 230 Jahre Mitgliedern derselben Familie gehört. Danach übernahmen der eigens gegründete Verein Historische Altstadt Rheine e. V. sowie die Stadt Rheine, die das Denkmal aufkaufte, die Verantwortung. Seither haben Vereinsmitglieder über das Haus geforscht, Fördermittel eingeworben, ein Instand-setzungs- und Nutzungskonzept initiiert und die Instandsetzung und Restaurierung begleitet.
Seit 2024 ist MM27 ein Exponat der Bau- und Sozialgeschichte im Rheiner Stadtraum. Vereinsmitglieder präsentieren das Denkmal kontinuierlich in Führungen. Es ist ein historischer Identifikationsstandort, an dem nicht an Adel oder Patriziat, sondern an diejenigen Menschen erinnert wird, die seit jeher und bis heute die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen.
Und so ist es folgerichtig, dass die Zimmer im MM27 auch für Bürgerinnen und Bürger nutzbar sind: Sie geben Ausstellungen mit Ortsbezug Raum, Geschichtsinteressierten einen Treffpunkt, Forschenden einen Arbeitsplatz, Musik und regionaler Kleinkunst einen Aufführungsort. Hier findet moderne Heimatkunde statt. Ein professioneller, stets aktueller Web-Auftritt mit einem „begehbaren“ 3D-Modell des Hauses vermittelt das besondere Denkmal auch über Rheine hinaus.
Knapp zehn Jahre nach Auszug der letzten Bewohnerin haben die Vereinsmitglieder nicht nur ein wertvolles Baudenkmal denkmalgerecht instandgesetzt, sondern sie haben auch einen lebendigen „Dritten Ort“ städtischen Lebens geschaffen. Das ist vorbildliches, modernes Bürgerengagement für ein Denkmal, für seine Vermittlung und seine Potenziale für die Kommune.
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Mehr InformationenSelbstdarstellung
Ein altes Haus an der Münstermauer 27 (MM27) wird zum Ausgangspunkt einer Privatinitiative und schließlich der Gründung des gemeinnützigen und ehrenamtlich geführten Vereins Historische Altstadt Rheine e. V. Dieser hat sich die Erhaltung historischer Bausubstanz in Rheine und speziell die Erforschung, Restaurierung und Weiterentwicklung des Hauses an der alten Stadtmauer auf die Fahnen geschrieben.
Die häufig so benannte Aktion „Dornröschen“ begann offiziell am 12. Januar 2019 mit der Vereinsgründung, inoffiziell aber schon etwa zwei Jahre zuvor: Neun Gründungsmitglieder – inzwischen sind es rund 130 Mitglieder – starteten ein Projekt, von dessen Umfang und Bedeutung damals kaum jemand etwas ahnen konnte. Erste Forschungen mithilfe eines versierten Hausforschers und Fachleuten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mit den Abteilungen Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen als Denkmalfachbehörde führten zu der Erkenntnis, dass es sich wohl um ein besonderes Haus handeln müsse.
Im Laufe der Zeit und nach umfangreichen Forschungen von Mai 2019 bis Mai 2023 konnte festgestellt werden, dass es sich um ein historisches Kleinod an und auf der alten Stadtmauer im Kern der ursprünglichen Altstadt von Rheine – einer rund 80.000 Einwohner umfassenden Mittelstadt im nördlichen Münsterland – von nationaler Bedeutung handelt. Nach einer Machbarkeitsstudie im Dezember 2020 folgte ein Förderantrag zur Restaurierung, Sanierung und Herrichtung für die Folgenutzung an die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, die von den Restaurierungskosten in Höhe von über einer halben Million Euro den Löwenanteil aus dem Topf „Steinerne Heimatzeugnisse“ übernahm. Nach erfolgter Ausschreibung begannen im Herbst 2021 die Arbeiten unter der Leitung von Architekt Christoph Achterkamp. Nach der bauhistorische Erforschung von MM27 folgten sozialgeschichtliche Nachforschungen zum Altstadtviertel und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern. Nach Abschluss der baulichen Maßnahmen/Restaurierung widmete sich der Verein um die bauliche Herrichtung und Präsentation des Denkmals. Dabei setzte sich der Verein mit der Frage auseinander, wie man 700 Jahre Geschichte von Rheine so vermitteln kann, dass sowohl verschiedene Zielgruppen angesprochen als auch die Inhalte positiv wahrgenommen werden.
Erfahren Sie mehr unter:
www.historische-altstadt-rheine.de