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Medienpreis

Wolfgang Bauer
DNK_Wolfgang-Bauer

Wolfgang Bauer © Andy Spyra

Würdigung

Archäologie und Zeitgeschichte stehen enger beieinander, als man denkt: Regionale Forschungen eröffnen neue Perspektiven auf die lange europäische Geschichte und zeigen, warum die Verankerung in der Vergangenheit auch für den modernen Menschen wichtig bleibt. Mit einer Artikelserie, die seit Ende 2023 in der Wochenzeitung Die Zeit erscheint, beleuchtet der Autor Wolfgang Bauer diese und viele weitere Themen.
Anhand eines einzigen Denkmals, der mittelalterlichen Burg Hohengenkingen, rund 50 Kilometer südlich von Stuttgart, eröffnet er den Leserinnen und Lesern einen Zugang, der sie tief in die Vergangenheit führt. Das Ende der Serie ist noch offen, denn sie folgt den aktuellen Forschungen auf der Burg. Wolfgang Bauer beschreibt sie anschaulich und lebendig, nicht nur als begleitender Autor, sondern auch als einer der Akteure dort vor Ort, in seiner Heimatregion am Rand der Schwäbischen Alb.
Die nahezu vergessene Burg wird als Zeitkapsel beschrieben und das Mittel, um diese lesen zu können, ist alleine die Archäologie. Bauer nimmt die Leserinnen und Leser mit, lässt sie teilhaben an den Untersuchungen und kleinen Fortschritten an der Burgruine und führt sie über eingestreute Exkurse in die vielfältigen Methoden und Forschungsansätze dieser spannenden Wissenschaft ein. Manchmal ruht der Blick auf kleinen Funden aus der Burg – etwa einer Perle aus Speckstein oder einer Scherbe eines Nuppenglases –, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, aber viel über die Bewohner, ihre Lebensumstände und ihre Einbindung in wirtschaftliche wie herrschaftliche Gefüge verraten. Dabei schafft er es, die Ergebnisse in das große Gerüst der Geschichtsforschung einzubetten und die europaweiten Bezüge aufzuzeigen. Er gibt damit der Burg Hohengenkingen auf spannende und leicht lesbare Weise ihre Rolle in der deutschen und europäischen Burgenlandschaft wieder zurück, die sie als fast verschwundenes Denkmal zu verlieren drohte. Sie wird wieder Teil der wechselvollen Geschichte von Herrschaft und Politik, die bis in europäische Dimensionen reicht.
Besonders am Herzen liegt ihm die Warnung vor den Bedrohungen, denen Denkmale aller Art ausgesetzt sind – ob archäologisch oder bauhistorisch: fehlende Gelder, Baudruck und Ignoranz sowie nicht zuletzt der Klimawandel.
Ausgehend vom großen Sturm 2023, der auch Teile der Burg Hohengenkingen zerstörte, spannt er den Bogen bis zu den Orkney-Inseln, in den antiken Mittelmeerraum und weiter zu den Osterinseln. Damit mahnt die Artikelserie von Wolfgang Bauer auf unterhaltsame Weise vor allem eines an: Denkmalschutz und Forschung sind in vielerlei Hinsicht wertvoll, doch die Zeit, unsere Denkmale zu retten, ist knapp. Für seine eindrucksvolle Arbeit erhält Wolfgang Bauer den Medienpreis des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2025.

Selbstdarstellung

Geboren 1970 in Hamburg, verbrachte er seine Kindheit und Jugend zwischen dem äußersten Norden und Süden Deutschlands. Nach einer Zeit als Zeitsoldat entschied er sich für den Weg der Kriegsdienstverweigerung. Das Abitur holte er auf dem Abendgymnasium nach – tagsüber arbeitete er als Fremdenführer, Postbote und Müllsortierer, abends saß er über den Büchern.
In Tübingen nahm er zunächst das Studium der Islamwissenschaft auf, wechselte später zu Geographie und Geschichte. Dort entdeckte er auch das Schreiben für sich, ausgebildet durch erste Schritte beim Schwäbischen Tagblatt. Seit 2011 gehört er zur Redaktion der ZEIT, heute als Reporter der Chefredaktion. Seine Reportagen führen ihn vor allem in die Krisenregionen dieser Welt, wo er Geschichten erzählt, die zwischen Zerstörung und Hoffnung, Gewalt und Überleben angesiedelt sind.
Seine Leidenschaft für Archäologie begleitet ihn seit Kindertagen – ein roter Faden, der sich, wenn auch leise, durch seine Arbeit zieht. Neben zahlreichen journalistischen Auszeichnungen veröffentlichte er mehrere Bücher: „Über das Meer. Mit Syrern auf der Flucht“ (2014), „Die geraubten Mädchen. Boko Haram und der Terror im Herzen Afrikas“ (2016), „Bruchzone. Krisenreportagen“ (2018) und „Am Ende der Straße. Afghanistan zwischen Hoffnung und Scheitern“ (2022).
Heute lebt er in Reutlingen – in der Heimat der Mürbeteigmutschel, die ihm längst vertraut geworden ist.

Entdecken Sie die gesamte Artikelserie bei Die Zeit:
www.zeit.de/serie/die-burg